Inkontinenz

es ist wohl das Schreckgespenst schlechthin: die Inkontinenz. Stuhl und Urin werden nicht mehr adäquat in die Toilette gegeben. Vielmehr lässt man das Wasser in Eimer, Papierkörbe, Waschbecken, Kühlschränke, Schubladen, Betten oder auf den Tisch oder den Boden. Mit dem Stuhl ist es nicht anders.

Viele Bücher geben darüber Auskunft, dass dies oft der letzte „Meilenstein“ ist, bevor der Patient ins Heim verfrachtet wird. Denn der Geruch – oder deutlicher: der Gestank – ist kaum erträglich. Und das geht weiter: Die Beseitigung ist die nächste Klippe: Wer jemals einen Kothaufen von einem Kopfkissen trennen musste, weiß, von was ich spreche.

Natürlich müssen Sie am Ende für sich und Ihre Situation einen Weg finden. Bevor Sie sich allerdings voreilig eine Meinung bilden, lesen Sie diesen Beitrag bis zum Ende, versuchen die empfohlenen Maßnahmen – und entscheiden dann.

Nicht, dass Sie hier die Lösung schlechthin erwarten – die habe ich nicht. Aber manch eine abhärtende oder lindernde Maßnahme macht Ihnen die Inkontinenz Ihres Betreuten vielleicht etwas leichter.

Hier sind also einige Erfahrungen mit dem unschönen Thema.

Abhärtung

Diese beginnt im Kopf – wo auch sonst?

Klartext denken und reden

Viel von unserem Unbehagen resultiert daraus, dass wir im Umgang mit anderen Umschreibungen verwenden, die es uns erlauben, bestimmte Unworte erst gar nicht sagen zu müssen. Wir reden vom kleinen oder großen „Geschäft“, vom „Urin“ und „Stuhl“ usw. Die Wörter, die wir familienintern verwenden sind in der Regel drastischer.

Aber genau das verstärkt unser Empfinden, es sei eklig. Und: Auch deshalb möchte man darüber nicht reden. Dabei wäre das doch die allererste Linderungsmaßnahme. Denn im Gespräch lässt sich Frust abbauen und Erfahrung einholen. Aber die Verwendung schönfärberischer Worte lässt uns das Thema eher tabuisieren.

Auf dieser Website – konkreter: in diesem Beitrag – würde ich auch aus diesem Grund derbe Sprache verwenden. Dann hätte ich sogar einen direkten Beitrag für Ihre Abhärtung geleistet. Allerdings geht das nicht ganz so einfach, denn Suchmaschinen filtern unangemessene Sprache weg – zumindest in Ansätzen. Sie können sich davon schnell überzeugen: Geben Sie in der Google-Suche die folgenden Buchstaben in umgekehrter Reihenfolge und ohne Leerzeichen dazwischen ein: x e s. Dann fügen Sie – ebenfalls ohne Leerzeichen – erst ein y und dann – stattdessen – ein u ein. Sie werden bemerken, dass bei Eingabe des y der Vorschlagmodus beendet wird. Sie erhalten also keine Übersicht mehr, welche Wortkombinationen zu Ihrer Suche passen. Beim u ist das anders.

Ich werde es deshalb in diesem Beitrag so machen: Um drastischer „sprechen“ zu können, verwende ich Kunstwörter. Statt „Urin“ verwende ich „Pi“ und statt „Stuhl“ sage ich „Schei“. Weitere werden folgen.

Wenn Ihnen jetzt Unbehagen entsteht, ist dies eine gute Stelle für den Ausstieg. Einige eklige Themen werden zur Sprache kommen. Wenn Sie das nicht gutheißen, können Sie mir gerne eine E-Mail schicken; und ich werde mich dann um eine mildere Version des Beitrags bemühen.

Vollständigkeit

Wie Sie sich denken können, reden wir nun also über ScheiPi. Dies ist die Kurzfassung für Schei und Pi.

Aber das ist noch längst nicht alles. Zwei weitere Begriffe sind „Wi“ und „Ro“. Ersteres bezeichnet Sperma, letzteres Schleim. Denn nicht nur ScheiPi kann man überall absondern, sondern genauso WRo.

Und wenn ich dann noch mit „Blu“, „Schwei“ und „Ko“ komme, können Sie sich denken, dass dies Blut, Schweiß und Erbrochenes bezeichnet.

Und nun sind wir aber auch schon fast soweit, dass Ihr Kopfkino mit dem Unbehagen gefüllt ist, das durch den Umgang mit diesen Ausscheidungen entsteht.

Lassen Sie uns noch einen praktischen Schritt gehen: Wenn die Toilette mit Schei gefüllt ist, halten Sie Ihre Hände hinein.

Und dann fragen Sie sich objektiv, wo der Unterschied zu einem Schlammbad ist. Der wichtigste dürfte sein: Der Geruch.

Deshalb ist es gut, wenn Sie eine Atemtechnik entwickeln können, die nur durch den Mund geht.

Und nun nehmen Sie Ihre Hände aus der Schei und waschen Sie sie gründlich ab.

Und Sie werden merken: Es gibt keine Spuren. Es ist eigentlich gar nicht so schlimm.

Und damit haben Sie etwas wichtiges gelernt: Es ist verkraftbar.

Die Position des Patienten

Und es gibt noch etwas, was Sie nun nebenbei sehen konnten: Das Problem ist der Anfang. Das unangenehme Gefühl entsteht zu Beginn einer neuen „Beseitigungsaktion“. Hat man einmal damit begonnen, ist es meistens gar nicht mehr so schlimm.

Und so geht es dem Dementen auch. Wenn seine Wäsche mit ScheiPi verunreinigt ist und wir fordern ihn auf zu duschen, wird er das Ausziehen der Hose verweigern. Was als systematischer Versuch erscheint, sich der Waschung zu widersetzen, ist in Wirklichkeit das Ekelgefühl der erneuten Berührung mit dem Schmutz bei Ausziehen der Hose. Das Ziel muss also sein, ihm bei diesem ersten Schritt zu helfen. Ist der geschafft, wird er in der Regel sogar sehr gerne baden oder duschen, weil auch er an der Reinigung Interesse hat.

Hilfsmittel

Es gibt einige Hilfsmittel oder Utensilien, die den Umgang erleichtern. Damit sind nicht nur solche gemeint, die von der Pflegekasse anerkannt sind.

Windeln

Jeder, der ein Baby großgezogen hat, kennt das. Mit Supersaugkraft wird ScheiPi aufgenommen und geruchstechnisch unschädlich gemacht oder jedenfalls gemildert. Der Effekt ist meistens so groß, dass auch der Patient das positiv spürt.

Es gibt eine einzige Gegenanzeige: Wenn der Demente versucht, sie die Toilette hinunter zu spülen. Dagegen ist kaum ein Kraut gewachsen. Deshalb ist es wichtig, bei Anziehen einer neuen Windel den Verbleib der alten zu prüfen.

Eimer

Auch bei den besten Windeln geht etwas daneben oder läuft über. Man muss also mit verschmutzter Wäsche rechnen. Die Gülle will man nicht in der Waschmaschine haben. Um sie vorher auszuwaschen, braucht man mit Warmwasser gefüllte Eimer.

Die Technik ist ganz einfach. Man reibt verschmutzte Flächen im Wasser gegeneinander. So muss man diese Stellen praktisch nicht berühren, bekommt die Schei aber gut ab. Der kritischste Moment ist übrigens das Wenden der Hose oder Unterhose von außen nach innen. Denn wenn die Windel übergelaufen ist, dann merkt man das an den Innenseiten der Beinbekleidung.

Außerdem werden die Eimer natürlich zur Reinigung von Böden, Wänden etc. benötigt. Ein Dampfreiniger hilft beim anschließenden Aufpolieren..

Nahrung

Sprechen wir über die Konsistenz der Schei und über die Frequenz der Ausscheidung,

Wie bei Babynahrung auch beeinflusst das Essen, ob der Stuhl hart ist oder weich. Reis und Nudeln beispielsweise wirken verhärtend. Kartoffelbrei macht es eher breiig. Obst macht Stuhl oft weich, es sei denn das Obst ist selbst von fester Konsistenz (zum Beispiel. Bananen).

Auch die Frequenz kann beeinflusst werden. Insbesondere kann bei Verstopfung mittels Abführmitteln viel beeinflusst werden.

Zusammenfassung

Nichts von alledem ist Hexenwerk. Inkontinenz ist kein angenehmes Thema, aber es ist beherrschbar, jedenfalls einigermaßen – und mit etwas Überwindung.

Symptome bei fortgeschrittener Demenz

Nachfolgende Liste ist eine lose Sammlung von beobachteten Symptomen. Sie soll Sie nicht abschrecken, sondern Ihnen helfen bei der Vorbereitung dessen, was einmal auf Sie zukommen könnte.

Essen und Trinken

  • Versteht die Funktionen des Bestecks nicht mehr. Kann also Messer und Gabel nicht auseinander halten. Versucht zum Beispiel, mit der Gabel zu schneiden.

    Hinweis: Dies kann gefährlich sein, wenn beispielsweise versucht wird, eine Suppe mit einem großen, scharfen Brotmesser zu „löffeln“.
  • Isst ungewöhnliche Kombinationen, z.B. Wurstbrot mit Marmelade.
  • Versucht, Kaffee aus der Tasse auf das Brötchen zu schmieren (mal mit dem Löffel, mal mit dem Messer, mal mit der Gabel).
  • Gibt Zwiebelstücke in die Zuckerdose, Wasser in einen Gewürzbehälter.
  • Verwechselt Flüssigkeiten gleicher Farbe. Beispiel gelb/orange: Orangensaft, -limonade, Bratöl, Spülmittel, Urin.
  • Versucht, ungekochte Speisen zu essen, zum Beispiel Nudeln, Reis und Eier. Allerdings kann dies seine Ursache darin haben, das beim Herd Kindersicherung aktiviert ist, die er bislang nicht überwinden konnte.
  • Trinkt nicht mehr aus Gläsern, wenn unbeaufsichtigt. In der Regel wird direkt aus der Flasche getrunken. Aber auch Blumenvasen werden als Durstlöscher geleert.
  • Bricht mehrere Flaschen an ohne erst konsequent auf Leerung zu achten.
  • Versteht Warnhinweise wie „heiß“, „kalt“ und „scharf“ nicht mehr bzw. interpretiert diese falsch. Zum Beispiel versucht er den heißen Kaffee dadurch zu kühlen, dass er weiteren heißen Kaffee hinzufügt, nicht aber Sahne oder Milch.
  • Lässt Essensreste oder angebrochene Verpackungen offen an unterschiedlichsten Stellen stehen, zum Teil auch in der prallen Sonne.
  • Lässt Wasserhähne tropfen oder gar voll aufgedreht laufen (während die Toilettenspülung oft nicht betätigt wird).
  • Tischmanieren sind leider oft nicht mehr vorhanden, zum Beispiel Warten auf gemeinsamen Beginn. Auch wird viel Lärm erzeugt.
  • Versucht mit unterschiedlichsten Utensilien die Öffnung von Lebensmittelpackungen. Mit Schrauben- oder Korkenziehern werden Nudelpakete angebohrt, mit einem Messer wird ein Saftkarton oder eine Packung Eis eingeritzt.

Persönliche Hygiene

  • Wechselt Kleidung nicht mehr adäquat und wäscht sich nicht mehr selbst.
  • Harn- und Stuhlinkontinenz.
  • Reste von Kot und Urin werden nicht adäquat beseitigt, sondern oftmals so versteckt dass sie schwer wieder aufgefunden werden können.
  • Spürt nicht mehr, dass die eigene Kleidung gewechselt werden muss.
  • Rasur, Mund-, Fuß- und Handpflege unterbleiben.
  • Wäsche wird an allen möglichen Stellen deponiert: Kernproblem dabei: Ist diese sauber oder verschmutzt? Leider kann der Demente das nicht mehr zuverlässig beantworten. Umgekehrt: Sieht man, dass ein Kleidungsstück fehlt und fragt den Patienten, wo er es hingebracht hat, erhält man im günstigen Fall ein Achselzucken, im ungünstigen Fall wird man an eine Stelle geführt, die alles enthält, aber nicht das gesuchte Wäscheteil.

Zusammenleben im Haushalt

  • Briefe werden nicht weitergeleitet.
  • Die Annahme von Einschreiben wird verweigert.
  • Telefonate werden manchmal angenommen, manchmal nicht. Bei Annahme wird das Gespräch eigenmächtig und ohne Vorankündigung beendet. Gelegentlich wird einfach der Hörer beiseite gelegt. Bei Anrufen von Verkäufern werden die Abos, Proben oder gar richtige Waren angenommen.
  • Fenster werden nach eigenem Gutdünken geöffnet oder geschlossen.
  • Heizungen werden nach eigenem Empfinden eingestellt. (Weiter oben hatten wir fehlendes Termperaturempfinden beim Kaffee.)
  • Möbel werden nach eigenen Vorstellungen auf- und umgestellt.
  • Elektrische Geräte werden vollständig zerlegt, können aber nicht mehr so zusammengebaut werden, dass sie dann noch funktionieren..
  • Gegenstände werden an ungewöhnlichen Orten abgelegt: Besteck im Badezimmer, Blumenvasen mit oder ohne Inhalt im Kleiderschrank, Essensreste im Wohnzimmer, leere Flaschen im Schlafzimmer.
  • Haustiere werden in Schränken ein- oder aus der Wohnung ausgesperrt.
  • Zieht Schlüssel aus Türen ab.

Sozialverhalten

  • Lässt sich ungern etwas sagen. Fühlt sich leicht bevormundet.
  • Verzögert Abläufe massiv durch Einschub meist sinnloser Aktivitäten.
  • Hinterfragt immer wieder den gleichen Ablauf.
  • Wird schnell aggressiv, wenn man ihm das Gefühl gibt, er habe nichts zu sagen.
  • „Petzt“.
  • Wird verschlossener in seiner Kommunikation.
  • Hält sich nicht mehr an Anstandsregeln (z.B. Danksagung).
  • Wird rasch belehrend.
  • Lügt.
  • Zerstört Schlösser oder baut diese aus.

Mobilität und Orientierung

  • Entfernt sich eigenmächtig aus der Wohnung ohne zu hinterlassen, wohin er geht.
  • Kann eigenen Namen und Wohnadresse nicht angeben.
  • Findet sich in komplexen Verkehrssituationen (als Fußgänger) nicht zurecht.
  • Kein Zeitgefühl mehr. Hält den Vormittag für Nachmittag.

Umgang mit diesen Herausforderungen durch Angehörige.

Die Liste ist gar nicht so lang. Aber manch ein Punkt hat große Auswirkungen..

Die Liste kann dazu dienen, manche der entstehenden Situationen vorzubereiten. Einige allgemeine Hinweise sollen nachstehend gegeben werden.

  • Nehmen wir an, Sie wollen Ihre Küche lüften. Dazu öffnen Sie das Fenster nach jedem Essen. Und unterstellen wir weiter, zum Ordnungssinn des Dementen gehöre es, dass alle Fenster geschlossen sein müssten. Was wird passieren?

    Sie öffnen das Fenster; sobald der Demente das merkt, wird er es ohne Rückfrage einfach schließen. Sie werden es wieder öffnen und ihm vielleicht eine kleine Standpauke halten, dass Frischluft auch sehr wichtig sei. Kaum aber drehen Sie sich um, wird er das Fenster wieder schließen. Sie intensivieren Ihre Standpauke und fragen sich, warum er nicht einsieht, dass auch frische Luft essentiell ist.

    Empfehlung: Vermeiden Sie diese Art von Auseinandersetzung mit dem Patienten. Denn eine Diskussion wie diese geht Ihnen schnell auf den Wecker. Für den Dementen dagegen beginnt sie jedesmal aufs Neue. Denn Sie haben ein funktionierendes Gedächtnis und wissen daher in jeder Diskussionsrunde, dass Sie nun schon soundsoviele Schleifen gedreht haben. Der Demente dagegen kann sich daran nicht erinnern.
  • Organisieren Sie Schlüssel, Geld und Dokumente so, dass der Demente keinen Zugriff darauf hat.
  • Auch Medikamente müssen sorgfältig verschlossen aufbewahrt werden.
  • Sorgen Sie dafür, dass alle giftigen Substanzen in verschlossenen Räumen aufbewahrt werden, zu denen der Demente keinen Zutritt hat. Die Gefahr einer Verwechslung mit genießbaren Stoffen ist groß. Es wäre schrecklich, wenn der Patient Scheuerpulver für Salz oder Spülmittel für Orangenlim0nade hielte.
  • Für die Wäsche sollten sie versuchen, einen geschlossenen Kreislauf zu finden, der vom Dementen nicht gestört werden kann. Für jedes Kleidungsstück muss klar sein, ob es bereits gewaschen, getrocknet oder gebügelt wurde. Dies kann nur funktionieren, wenn Ihr Ablagesystem entsprechend konstruiert ist. Der Demente darf daraus nichts entnehmen und nichts in dieses einbringen.
  • Inkontinenz: Es gibt Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz. Für viele Demente, die zu Hause gepflegt werden, ist dies die Einleitung zum ersten Schritt ins Heim. Hier nur soviel: Sie kommen nicht daran vorbei, die Technik zu lernen, Kot mit der Hand aus der Kleidung zu waschen.

    Das funktioniert so: Legen Sie das Wäschestück in einen Eimer mit heißem Wasser und lassen es einweichen. Halbieren Sie große verschmutzte Flächen und reiben Sie die beiden Hälften gegeneinander. Sie reinigen das Kleidungsstück also quasi mit sich selbst. So geht der Stuhl ins Wasser über, das Sie dann abgießen können.

    Man sollte sich klar machen, dass der Demente nichts dafür kann, dass es zu Inkontinenz kommt. Der Effekt entsteht dadurch, dass das Signal zum Aufsuchen einer Toilette zu spät kommt.

    Ein wichtiges Hilfsmittel sind Windeln (für Erwachsene).. Vorsicht aber, dass der Demente diese nicht in die Toilettenspülung gibt. Achtung: Manch ein Dementer macht das auch mit der frischen, leeren Windel.

    Es gibt zu diesem Thema inzwischen einen eigenen Beitrag auf dieser Website: Inkontinenz
  • Bei der eigenen Ehre packen: Auf unserem Esstisch gibt es als Untersetzer Schieferplatten. Diese wurden durch den Patienten immer wieder weggeräumt, obwohl sie dauerhaft dort liegen sollten. Alles mögliche wurde probiert – nichts schien zu fruchten. Bis wir eines Tages folgendes machen. Jeder erhielt wie üblich auf seinem Stammplatz eine dieser Platten – mit einer Ausnahme: Der Demente erhielt keine. Er war gewissermaßen ausgegrenzt – ab dann lagen immer alle Platten an ihren Plätzen.
  • Zum Weglaufen: Es gibt zahlreiche Ortungssysteme. Eine sehr beeindruckende Technik.

    Kernproblem dabei ist: Der Demente muss einen Sender mitnehmen. Ob er das wirklich wie erforderlich macht, ist ungewiss.
  • Lehrreich ist außerdem die versuchte (und in der Regel misslungene) Öffnung von Lebensmittelverpackungen. Denn es zeigt, dass Hunger häufig nicht artikuliert wird. Vielmehr wird erst der Versuch unternommen, ihn selbst zu stillen. Für diesen Zweck kann es Sinn machen, leicht zugängliche und einfach zu verzehrende Speisen (und Getränke dito) bereitzustellen. Das gilt insbesondere für die Nächte.

Von guten und schlechten Vorhaben

Manchmal will ein Dementer etwas tun, was „falsch“ ist. Das sind Vorhaben, die zu unerwünschten Ergebnissen führen. Zum Beispiel der Versuch, rote Johannisbeeren im Topf zu erhitzen.

Wir wissen.: Dabei kommt kein gutes Ergebnis heraus. Es ist nun einmal so, dass Johannisbeeren schlecht dafür geeignet sind, gekocht zu werden.

Ähnlich ist das Vorhaben einzustufen, ein Brot mit Kaffee zu bestreichen.. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Kaffee als Bohne, gemahlenes Pulver oder als Flüssigkeit vorliegt. Es erscheint irgendwie unpassend.

Das Unterfangen, Obst zum Kochen zu bringen, ist übrigens auch nicht ganz ungefährlich, da der Topf überhitzen könnte und dann zum Beispiel bei plötzlicher Zufuhr kalten Wassers auch noch in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Oder aber, es ist schwierig, am Ende die schwarzen Essensreste aus dem Topf zu kratzen. Außerdem bekommt es dem Topf nicht, wenn eine Gabel zu seiner „Reinigung“ verwendet wird.

Nun, bei solchen Aktivitäten ist klar, dass der Betreuende oder Pflegende „einschreiten“ muss. Er sollte dem Dementen vorsichtig erklären, dass Johannisbeeren mit Vanilleeis viel besser schmecken als wenn sie geröstet werden. Oder dass Kaffee als Begleitgetränk zum Brot besser geeignet ist als auf dem Brot. Und so bleibt auch die Möglichkeit, das Brot zusätzlich mit Marmelade anzureichern.

Und in vielen Fällen werden solche Erklärungen genügen, um das falsche Unterfangen zu unterlassen.

Aber nicht immer sind alle so einsichtsfähig. Dann müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden, zum Beispiel sollte der Herd abgestellt oder das Streichmesser für das Brot entfernt werden.

Nun ist es eine Sache, Taten zu unterbinden. Aber noch schwieriger kann es werden, bestimmte Handlungen von einem dementen Menschen einzufordern, zum Beispiel morgendliches Waschen, Duschen, Rasieren oder Zähneputzen.

Bei solchen Pflichten muss der Demente selbst aktiv etwas tun. Natürlich kann dies durch den Helfer unterstützt werden. Aber trotzdem ist ein „Mitspiel“ der dementen Person zu einem gewissen Grad unerlässlich.

Und dies setzt voraus, dass die Notwendigkeit der Tat auch anerkannt wird. Wenn solche Einsicht aber nicht mehr gegeben ist, kann es schwierig werden, den Patienten dazu zu bewegen, auch nur mitzuwirken.

Was hilft? Nicht immer, aber oft kommt die „Uneinsichtigkeit“ daher, dass die erforderlichen Schritte zur Umsetzung nicht klar sind. Was für uns „eigentlich“ einfache Tätigkeiten sind, sind in der Praxis zum Teil komplexe Vorgänge. Wenn man diese schrittweise angeht, ist es dann möglich, die gewünschten Handlungen doch auch zu bekommen. Und das kann zum Teil in kleinsten Schritten erfolgen: Der erste ist zum Beispiel der Gang ins Bad.

Und noch abschließend ein Wort zur Schwierigkeit oder Einfachheit der hier beschriebenen Dinge: Nicht immer ist die Verhinderung eines Tuns einfacher als die Aktivierung einer Handlung. Einfaches Beispiel: Wer mag schon gesagt bekommen, er möge nicht mehr Auto fahren?

Haustiere als Begleiter dementer Menschen

Sind Sie ein Hunde- oder ein Katzenliebhaber? In welche „Schublade“ darf ich Sie stecken?

Ja, es sind Klischees. Aber oft lieben wir Menschen Charaktere, die dem unseren ähneln.

Hunde sind in der Regel auf einen oder mehrere Menschen „fixiert“ – ganz im positiven Sinne: Sie sind anhänglich und treu. Sie geben dem Menschen Nähe, und sie suchen sie auch. Ein Mensch muss mit einem Hund „Gassi“ gehen. Oder haben Sie schon einmal einen Hund gesehen, der das alleine gemacht hat? Wenn ja, dann war es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein wild lebendes Tier.

Auch eine Katze strebt nach Nähe zum Menschen – wenn keine andere Katze als Spielgefährte da ist. Sie werden kaum einmal die Situation erleben, dass eine Katze einen Spaziergang in Begleitung eines Menschen macht. Katzen legen mehr Wert auf Autonomie und Unabhängigkeit – auch das von der guten Seite gesehen.

Aber beide sind dem Menschen verbunden. Sie können die Liebe, die sie bekommen haben, dem Menschen gerade wieder „zurückzahlen“. Ganz deutlich wird dies beim Bedürfnis der Tiere, sich in der Nähe des Menschen aufzuhalten und sogar weitergehend mit ihm zu „kuscheln“. Das machen übrigens sogar die manchmal so stolzen Katzen.

Letztlich ist es ähnlich wie beim Menschen selbst – Streicheleinheiten erhöhen die Anziehungskraft und wirken sich positiv auf beide aus. Deshalb können Hunde und Katzen – vielleicht sogar besser als jeder Mensch – gute Freunde auch dementer Patienten sein und positiv auf diesen wirken.

In jedem Fall gibt es obendrein noch weitere gute Seiteneffekte:

  • Wenigstens teilweise erzwingen sie eine bestimmte Tagesstruktur. Hunde müssen Auslauf haben, Katzen können sehr hartnäckig sein beim Wecken von Menschen, sofern sie großen Hunger haben.
  • Sie geben dem Menschen eine Aufgabe und damit das Bewusstsein, auch noch gebraucht zu werden.
  • Sie widersprechen nicht. Gerade demente Menschen erleben meist einen gewissen Rückzug anderer Personen (Verwandte, Freunde, Bekannte) bei der Kommunikation. Je mehr das Umfeld spürt, dass die Verarbeitung von Daten und Informationen nicht mehr richtig funktioniert, desto mehr zieht es sich zurück. Das ist sehr traurig, aber verständlich. So kann ein Dementer immer häufiger die Wand ansprechen – oder aber eben genau die Haustiere.
  • Sie sorgen für Beschäftigung.
  • Sie fördern das Verantwortungsbewusstsein.

Aber natürlich ist es auch wichtig, auf Grenzen zu achten. Nicht in allen Fällen ist es sinnvoll, Hunde und Katzen (oder andere Haustiere) mit Dementen zusammen zu bringen:

  • Der Patient muss noch in der Lage sein, Hungerzustände beim Haustier zu erkennen und die Fütterung zu übernehmen.
  • Besonders bei Hunden muss der Patient noch in der Lage sein, diese zu kontrollieren und ihr Verhalten zu lenken. Davonlaufende Hunde, die nicht mehr beherrschbar sind, stellen einen Patienten manchmal vor sehr große Herausforderungen.
  • Der Patient muss noch orientiert sein.

Wenn diese Rahmenbedingungen erfüllt sind, dann kann die Haltung von Hund oder Katze sehr hilfreich und förderlich sein.

Weiterführende Weblinks

Positives und motivierendes

Schnell werden unsere Blicke getrübt. Eine Schauergeschichte reiht sich an die nächste, wenn wir unseren Bekannten erzählen, wie hart es sein kann, sich um einen Dementen zu kümmern.. Und wenn der von uns Betreute von einem erzielten Erfolg berichtet, schrillen bei uns erst einmal die Alarmglocken. Denn wir ahnen schon: Irgendetwas muss schiefgelaufen sein.

Aber wir sollten uns klarmachen: Das sind Vorurteile. Denn natürlich geht – vor allem anfänglich – noch recht viel. Und das ist gut so: Wir sollten das funktionierende ausbauen und fördern. Damit möchte ich in keinster Weise die Betreuungs- oder Pflegeleistung kleinreden. Ganz im Gegenteil: diese ist oft so hart, dass Techniken wie gleich beschrieben erforderlich sind, um überhaupt den Kopf erhoben halten zu können.

Mein Lieblingsbeispiel ist die vorhandene Hilfsbereitschaft in Kombination mit einer Kochanleitung. Früher habe ich gekocht – was und vor allem wie ich wollte – und der Betreute durfte eine Portion haben. Während des Kochens schob er bereits Kohldampf und kam deshalb in die Küche. Dort sah er dann, wie ich kochte – und kommentierte dies – nicht immer zustimmend. Wir kamen dann in Diskussionen, die zum Teil recht nervtötend waren.

Heute läuft das ganz anders ab: Wenn es losgeht besprechen wir, was es geben soll. Dann leite ich ihn ein wenig an und beobachte und kontrolliere sein Tun. Er hat nichts mehr zu „meckern“, fühlt sich glücklich, weil er sinnvolles tut. Ich kann mich gut entspannen, gebe gelegentlich meinen Senf dazu. Und es gibt kaum noch die leidigen Diskussionen um Kleinigkeiten des Vorgehens. So ist es besser für alle Beteiligten.

Natürlich ist das idealtypisch. So schön wird es nicht oft sein. Aber der entscheidende Punkt ist: Wir dürfen nicht verlernen und nicht aufgeben, nach positiven Hinweisen auf Dinge zu suchen, die noch gut laufen. So lassen sich viele Tagesaufgaben doch ein wenig angenehmer gestalten.

Und wir zwingen uns selbst, nicht nur schwarz zu sehen.

Die nachfolgende Tabelle enthält einige Beispiele für Hinweise auf Positives.

Beispiele für Positivleistung

KategorieBereichPositivleistung
Gedächtnis
GesprächErinnert sich an Begegnungen oder andere Ereignisse, wenn auch mit falscher Einschätzung des Zeitpunktes.
KochenErinnert sich an Rezepte oder an Zubereitung von Speisen.
Orientierung
WohnungFindet ohne Probleme den Weg zurück.
WohnungVerwendet im Regelfall den korrekten Schlüssel.
WohnungKennt die Nachbarn.
EinkaufKann Einkaufslisten einsetzen.
Küche Setzt Gerätschaften korrekt und sinnvoll ein.
Sprache
SprachverständnisGrammatik stimmt.
Benennung von GegenständenBenennt Gegenstände korrekt.
PostVerarbeitet Briefe korrekt.
AnredeSetzt Anreden "Sie" und "Du" korrekt ein.
Konzentration und Denken
RätselKreuzworträtsel ohne Probleme.
GesellschaftsspieleLernt auch neue Regeln unproblematisch.
ZählenKann Gegenstände gruppieren und zählen. Zieht aus Zahleninformationen die richtigen Schlüsse (z.B. "Wir sind doch insgesamt 10, 2 fehlen noch.").
Persönlichkeit
ZeitbezugKann wichtige Daten korrekt angeben. Beispiele: Eigener Geburtstag, heute, übermorgen, gestern, vor einer Woche, vor einem Monat.
VerwandtschaftKann Verhältnis zu Familienmitgliedern korrekt widergeben.

Ob das immer ausreicht, um darauf aufbauend so schöne Anwendungen (wie eben beschrieben) zu formen, muss der Zeitablauf zeigen. Aber die Grundlage sollte es sein.

Übrigens: Eine weitere Technik, um mit teilweise wirren Erzählungen umzugehen, ist etwas, das ich „Weglachen“ nenne. Statt griesgrämig oder augenverdrehend zu überlegen, was eine Erzählung bedeuten könnte, habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, einfach zu lachen. Probieren Sie es aus! Es macht glücklicher: Beide! (Auch hier gilt: Es geht gerade nicht darum, den Urheber der verworrenen Botschaft auszulachen oder zu beleidigen. )


Erste Symptome

Was sind einzelne, harmlose kleine Begebenheiten? Und was sind Indikatoren eines viel, viel größeren Musters?

In der nachfolgenden Tabelle sehen Sie Beispiele dargestellt für Dinge, die sich so ereignet haben.

Beispiele für Vergesslichkeit

KategorieBereichFehlleistungDenkbare Gegenmaßnahmen
Gedächtnis
GesprächStellt mehrfach die gleiche Frage (und erhält sie beantwortet)
GesprächKann Rückfragen nicht mehr beantworten
Orientierung
Zutritt zur WohnungEntnimmt dem Geldbeutel einen Kassenzettel und versucht damit, die Tür zu öffnen.Zusatzschlüssel beim Nachbarn deponieren.
Zutritt zur WohnungVerlässt die Wohnung; lässt Tür offen stehen.
Zutritt zur WohnungVerlässt die Wohnung; vergisst Schlüssel.Schlüssel einsammeln.
EinkaufTiefkühlwaren werden im Kühlschrank oder im Brotkasten abgelegt.Überwachung der Ablage nach Einkäufen
KücheKocht Nudeln nicht im Wasser, sondern erhitzt sie trocken in der Bratpfanne.Überwachung aller Aktivitäten am Herd; Kindersicherung
EssenVerwendet Besteck nicht mehr adäquat (schneidet mit der Gabel, hält Fleisch mit den Fingern zum Schneiden, rührt mit dem Messer um)Zeigen
Sprache
SprachverständnisKann Sachverhalte (aus TV, Radio, Erzählungen Dritter) nicht mehr korrekt darstellen.
Benennung von GegenständenHält Gabel für Messer und umgekehrt. Verwechselt Besen und Schrubber.
PostWill bei jedem Brief zur Besprechung in die Stadt.
PostLässt Briefe tagelang ungeöffnet liegen.Entzug Briefkastenschlüssel
PostVerweigert Annahme Einschreiben an Familienmitglieder
AnredeSpricht Fremde mit "Du" an. Familienmitglieder werden gesiezt.
Konzentration und Denken
RätselKreuzworträtsel ohne erkennbare Logik.
RätselPuzzle ohne Strategie; bei formulierten Zwischenzielen ("Rand zuerst") keine Anwendung.
AutoverkehrSchrammt beim Einparken Seite des nächsten Autos auf.Entzug Führerschein und Autoschlüssel
Persönlichkeit
ZeitbezugVermengt Ereignisse und deren Zeitbezug. Verstorbene erscheinen noch lebendig.
Anpassung an ErwartungAntwortet so wie er glaubt, dass es erwartet wird.
EigenhygieneRasiert sich nicht mehr. Wenn doch, dann ohne Verständnis über Funktionen des Apparates.Helfen

Vergessen

Jeder von uns hat schon einmal etwas vergessen. Ja, mehr noch: Jeder hat schon einmal etwas Wichtiges vergessen. Und man kann es sogar noch weiter steigern: Jeder von uns hat schon einmal etwas für ihn Wichtiges vergessen.

Aber irgendwann häufen sich die Ereignisse. Namen geraten durcheinander. Mehrfach hintereinander wird immer die gleiche Frage gestellt – offenbar wird die Antwort nicht mehr verarbeitet.

Verwirrtheit, Desorientierung

Ganze Sachverhalte geraten durcheinander. Mit einer Münze wird versucht, die Haustür aufzuschließen. Bei der Kaffeemaschine wird das Kaffeepulver in den Behälter gegeben, in den eigentlich das Wasser gehört. Einkaufswaren werden nicht mehr richtig abgelegt.

Einschränkungen im Sprachvermögen

Die Verwendung von „Du“ und „Sie“ gerät durcheinander. Sachverhalte werden ohne Kontext dargestellt – aber entsprechende Nachfragen können nicht mehr beantwortet werden.

Nachlassende Konzentration und verschlechtertes Denkvermögen

Gesellschaftsspiele werden nicht mehr regelkonform durchgeführt. Bei „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ gibt es keinen erkennbaren Bezug mehr zwischen gewürfeltem Ergebnis und der Anzahl der weitergezogenen Felder.

Psychische Veränderungen

Demente Patienten fühlen sich zum Teil bevormundet. Das ist einerseits kein Wunder, da sie diversen „Schutzmaßnahmen“ ausgesetzt sind: Etwa werden ihnen Schlüssel abgenommen, das Autofahren untersagt, die Bedienung des Küchenherdes verboten und ähnliches mehr.

Andererseits fehlt ihnen die Einsicht, dass sie krank sind. Das Ausmaß ihrer Fehlleistungen können sie in der Regel nicht einschätzen.

Bedürfnisse

Alle Menschen haben Bedürfnisse. Das beginnt beim Hunger und geht bis hin zu romantischem Liebesleben sowie dem Streben nach Anerkennung bei der Arbeit.

Vielleicht haben Sie schon einmal etwas von der Pyramide von Maslow gehört? Sie versucht, eine gewisse Ordnung und Systematik innerhalb der menschlichen Bedürfnisse zu geben. Verlinkungen zu ausführlichen Beschreibungen finden Sie unten in diesem Beitrag.

Eine Pyramide ist es deshalb, weil jede Stufe auf der unmittelbar darunterliegenden basiert. Sind die wichtigsten Bedürfnisse einer bestimmten Stufe einigermaßen gleichmäßig erfüllt, kommt die Befriedigung der nächsten Schicht in Betracht.

Dies sind die Ebenen der Pyramide sowie Beispielinhalte:

 BedürfnisseBeispiele
5SelbstverwirklichungEntfaltung Talente, Kreativität; Weiterentwicklung der eigenen Person und vorhandener Fähigkeiten; Sinn des Lebens
4IndividualbedürfnisseVertrauen, Wertschätzung, Selbstbestätigung, Erfolg, Freiheit und Unabhängigkeit
3Soziale BedürfnisseDrang zu sozialen Beziehungen: Familie, Freundschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Zugehörigkeitsgefühl, Kommunikation, sozialer Austausch, Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung, Beziehung, Zuneigung, Liebe und sexuelle Intimität
2SicherheitsbedürfnisseArbeit, Wohnung, Familie, Gesundheit.
1Physiologische BedürfnisseAtmung, Wasser, Nahrung, Fortpflanzung, Schlaf, Fortpflanzung

Diese Darstellung zeigt auch sehr gut, dass die Stufen nicht frei von Überlappungen sind. Und selbstverständlich müssen die Bedürfnisse der unteren Stufen nicht zwingend voll erfüllt sein, bevor man die nächste Ebene „erklimmt“.

Das Modell sagt nun (als Beispiel), dass Hunger und Durst im Großen und Ganzen gestillt sein sollten, bevor man sich der Erfüllung der nächsten Stufe zuwendet.

Nun, das alles mag gut und schön sein. Aber was hat das mit Demenz zu tun? Manchmal können Demente ihre Bedürfnisse gar nicht richtig artikulieren (weil sie sie vergessen haben, sie selbst gar nicht wahrnehmen oder weil ihnen die Worte fehlen, sie richtig zu artikulieren).

So kann es sein, dass ein Patient streitsüchtig wegen des gewählten Fernsehprogramms ist – weil er Hunger hat. Der Betreuer arbeitet sich an der Wahl des Films ab – aber das Problem wäre ganz schnell zu beheben, wenn man einen Teller Nudeln servieren würde.

Die Maslow-Pyramide lehrt uns also, die Ursachenforschung an der untersten Stufe zu beginnen.

Darüber hinaus scheint das erforderliche Wissen zur Befriedigung eines Bedürfnisses umso besser vorhanden zu sein, je weiter unten das Bedürfnis liegt. An welchen Stellen Getränke bzw. Speisen aufbewahrt werden kann sich manch ein Dementer offenbar besser merken als den Namen des Partners. Allerdings könnte das noch andere Ursachen haben wie zum Beispiel die Zugänglichkeit.

Und ein weiterer Punkt ist: Ein hungriger oder durstiger Dementer wird die Frage, ob er Hunger oder Durst habe, manchmal zu Unrecht verneinen. Dies macht er aber nicht, um Sie zu täuschen oder aus falscher Rücksichtnahme.

Nein, es kann sein, dass er gar nicht weiss, was die Wörter „Hunger“ und „Durst“ bedeuten. Oder was Hunger bzw. Durst ist. Oder aber, er hat vergessen, dass er hungrig oder durstig ist. (Bitte beachten Sie, dass das nicht identisch ist: Im ersten Fall geht es um die Kenntnis von Wörtern, im zweiten um die Bedeutung von Begrifflichkeiten und im Dritten um das Bewusstsein seines Zustandes.)

Im Zweifel kann es gut sein, einfach etwas zu trinken zu geben bzw. einen Teller mit Essen bereitzustellen.

Ein weiterer Aspekt ist der Wunsch des Dementen, helfen zu wollen (Ebene 3 im Artikel). Das geht am besten, wenn Sie Ihn im Blick haben, wenn erforderlich – oder aber (direkter) ihn anleiten, was er tun soll.

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