Inkontinenz

es ist wohl das Schreckgespenst schlechthin: die Inkontinenz. Stuhl und Urin werden nicht mehr adäquat in die Toilette gegeben. Vielmehr lässt man das Wasser in Eimer, Papierkörbe, Waschbecken, Kühlschränke, Schubladen, Betten oder auf den Tisch oder den Boden. Mit dem Stuhl ist es nicht anders.

Viele Bücher geben darüber Auskunft, dass dies oft der letzte „Meilenstein“ ist, bevor der Patient ins Heim verfrachtet wird. Denn der Geruch – oder deutlicher: der Gestank – ist kaum erträglich. Und das geht weiter: Die Beseitigung ist die nächste Klippe: Wer jemals einen Kothaufen von einem Kopfkissen trennen musste, weiß, von was ich spreche.

Natürlich müssen Sie am Ende für sich und Ihre Situation einen Weg finden. Bevor Sie sich allerdings voreilig eine Meinung bilden, lesen Sie diesen Beitrag bis zum Ende, versuchen die empfohlenen Maßnahmen – und entscheiden dann.

Nicht, dass Sie hier die Lösung schlechthin erwarten – die habe ich nicht. Aber manch eine abhärtende oder lindernde Maßnahme macht Ihnen die Inkontinenz Ihres Betreuten vielleicht etwas leichter.

Hier sind also einige Erfahrungen mit dem unschönen Thema.

Abhärtung

Diese beginnt im Kopf – wo auch sonst?

Klartext denken und reden

Viel von unserem Unbehagen resultiert daraus, dass wir im Umgang mit anderen Umschreibungen verwenden, die es uns erlauben, bestimmte Unworte erst gar nicht sagen zu müssen. Wir reden vom kleinen oder großen „Geschäft“, vom „Urin“ und „Stuhl“ usw. Die Wörter, die wir familienintern verwenden sind in der Regel drastischer.

Aber genau das verstärkt unser Empfinden, es sei eklig. Und: Auch deshalb möchte man darüber nicht reden. Dabei wäre das doch die allererste Linderungsmaßnahme. Denn im Gespräch lässt sich Frust abbauen und Erfahrung einholen. Aber die Verwendung schönfärberischer Worte lässt uns das Thema eher tabuisieren.

Auf dieser Website – konkreter: in diesem Beitrag – würde ich auch aus diesem Grund derbe Sprache verwenden. Dann hätte ich sogar einen direkten Beitrag für Ihre Abhärtung geleistet. Allerdings geht das nicht ganz so einfach, denn Suchmaschinen filtern unangemessene Sprache weg – zumindest in Ansätzen. Sie können sich davon schnell überzeugen: Geben Sie in der Google-Suche die folgenden Buchstaben in umgekehrter Reihenfolge und ohne Leerzeichen dazwischen ein: x e s. Dann fügen Sie – ebenfalls ohne Leerzeichen – erst ein y und dann – stattdessen – ein u ein. Sie werden bemerken, dass bei Eingabe des y der Vorschlagmodus beendet wird. Sie erhalten also keine Übersicht mehr, welche Wortkombinationen zu Ihrer Suche passen. Beim u ist das anders.

Ich werde es deshalb in diesem Beitrag so machen: Um drastischer „sprechen“ zu können, verwende ich Kunstwörter. Statt „Urin“ verwende ich „Pi“ und statt „Stuhl“ sage ich „Schei“. Weitere werden folgen.

Wenn Ihnen jetzt Unbehagen entsteht, ist dies eine gute Stelle für den Ausstieg. Einige eklige Themen werden zur Sprache kommen. Wenn Sie das nicht gutheißen, können Sie mir gerne eine E-Mail schicken; und ich werde mich dann um eine mildere Version des Beitrags bemühen.

Vollständigkeit

Wie Sie sich denken können, reden wir nun also über ScheiPi. Dies ist die Kurzfassung für Schei und Pi.

Aber das ist noch längst nicht alles. Zwei weitere Begriffe sind „Wi“ und „Ro“. Ersteres bezeichnet Sperma, letzteres Schleim. Denn nicht nur ScheiPi kann man überall absondern, sondern genauso WRo.

Und wenn ich dann noch mit „Blu“, „Schwei“ und „Ko“ komme, können Sie sich denken, dass dies Blut, Schweiß und Erbrochenes bezeichnet.

Und nun sind wir aber auch schon fast soweit, dass Ihr Kopfkino mit dem Unbehagen gefüllt ist, das durch den Umgang mit diesen Ausscheidungen entsteht.

Lassen Sie uns noch einen praktischen Schritt gehen: Wenn die Toilette mit Schei gefüllt ist, halten Sie Ihre Hände hinein.

Und dann fragen Sie sich objektiv, wo der Unterschied zu einem Schlammbad ist. Der wichtigste dürfte sein: Der Geruch.

Deshalb ist es gut, wenn Sie eine Atemtechnik entwickeln können, die nur durch den Mund geht.

Und nun nehmen Sie Ihre Hände aus der Schei und waschen Sie sie gründlich ab.

Und Sie werden merken: Es gibt keine Spuren. Es ist eigentlich gar nicht so schlimm.

Und damit haben Sie etwas wichtiges gelernt: Es ist verkraftbar.

Die Position des Patienten

Und es gibt noch etwas, was Sie nun nebenbei sehen konnten: Das Problem ist der Anfang. Das unangenehme Gefühl entsteht zu Beginn einer neuen „Beseitigungsaktion“. Hat man einmal damit begonnen, ist es meistens gar nicht mehr so schlimm.

Und so geht es dem Dementen auch. Wenn seine Wäsche mit ScheiPi verunreinigt ist und wir fordern ihn auf zu duschen, wird er das Ausziehen der Hose verweigern. Was als systematischer Versuch erscheint, sich der Waschung zu widersetzen, ist in Wirklichkeit das Ekelgefühl der erneuten Berührung mit dem Schmutz bei Ausziehen der Hose. Das Ziel muss also sein, ihm bei diesem ersten Schritt zu helfen. Ist der geschafft, wird er in der Regel sogar sehr gerne baden oder duschen, weil auch er an der Reinigung Interesse hat.

Hilfsmittel

Es gibt einige Hilfsmittel oder Utensilien, die den Umgang erleichtern. Damit sind nicht nur solche gemeint, die von der Pflegekasse anerkannt sind.

Windeln

Jeder, der ein Baby großgezogen hat, kennt das. Mit Supersaugkraft wird ScheiPi aufgenommen und geruchstechnisch unschädlich gemacht oder jedenfalls gemildert. Der Effekt ist meistens so groß, dass auch der Patient das positiv spürt.

Es gibt eine einzige Gegenanzeige: Wenn der Demente versucht, sie die Toilette hinunter zu spülen. Dagegen ist kaum ein Kraut gewachsen. Deshalb ist es wichtig, bei Anziehen einer neuen Windel den Verbleib der alten zu prüfen.

Eimer

Auch bei den besten Windeln geht etwas daneben oder läuft über. Man muss also mit verschmutzter Wäsche rechnen. Die Gülle will man nicht in der Waschmaschine haben. Um sie vorher auszuwaschen, braucht man mit Warmwasser gefüllte Eimer.

Die Technik ist ganz einfach. Man reibt verschmutzte Flächen im Wasser gegeneinander. So muss man diese Stellen praktisch nicht berühren, bekommt die Schei aber gut ab. Der kritischste Moment ist übrigens das Wenden der Hose oder Unterhose von außen nach innen. Denn wenn die Windel übergelaufen ist, dann merkt man das an den Innenseiten der Beinbekleidung.

Außerdem werden die Eimer natürlich zur Reinigung von Böden, Wänden etc. benötigt. Ein Dampfreiniger hilft beim anschließenden Aufpolieren..

Nahrung

Sprechen wir über die Konsistenz der Schei und über die Frequenz der Ausscheidung,

Wie bei Babynahrung auch beeinflusst das Essen, ob der Stuhl hart ist oder weich. Reis und Nudeln beispielsweise wirken verhärtend. Kartoffelbrei macht es eher breiig. Obst macht Stuhl oft weich, es sei denn das Obst ist selbst von fester Konsistenz (zum Beispiel. Bananen).

Auch die Frequenz kann beeinflusst werden. Insbesondere kann bei Verstopfung mittels Abführmitteln viel beeinflusst werden.

Zusammenfassung

Nichts von alledem ist Hexenwerk. Inkontinenz ist kein angenehmes Thema, aber es ist beherrschbar, jedenfalls einigermaßen – und mit etwas Überwindung.