Erste Symptome

Was sind einzelne, harmlose kleine Begebenheiten? Und was sind Indikatoren eines viel, viel größeren Musters?

In der nachfolgenden Tabelle sehen Sie Beispiele dargestellt für Dinge, die sich so ereignet haben.

Beispiele für Vergesslichkeit

KategorieBereichFehlleistungDenkbare Gegenmaßnahmen
Gedächtnis
GesprächStellt mehrfach die gleiche Frage (und erhält sie beantwortet)
GesprächKann Rückfragen nicht mehr beantworten
Orientierung
Zutritt zur WohnungEntnimmt dem Geldbeutel einen Kassenzettel und versucht damit, die Tür zu öffnen.Zusatzschlüssel beim Nachbarn deponieren.
Zutritt zur WohnungVerlässt die Wohnung; lässt Tür offen stehen.
Zutritt zur WohnungVerlässt die Wohnung; vergisst Schlüssel.Schlüssel einsammeln.
EinkaufTiefkühlwaren werden im Kühlschrank oder im Brotkasten abgelegt.Überwachung der Ablage nach Einkäufen
KücheKocht Nudeln nicht im Wasser, sondern erhitzt sie trocken in der Bratpfanne.Überwachung aller Aktivitäten am Herd; Kindersicherung
EssenVerwendet Besteck nicht mehr adäquat (schneidet mit der Gabel, hält Fleisch mit den Fingern zum Schneiden, rührt mit dem Messer um)Zeigen
Sprache
SprachverständnisKann Sachverhalte (aus TV, Radio, Erzählungen Dritter) nicht mehr korrekt darstellen.
Benennung von GegenständenHält Gabel für Messer und umgekehrt. Verwechselt Besen und Schrubber.
PostWill bei jedem Brief zur Besprechung in die Stadt.
PostLässt Briefe tagelang ungeöffnet liegen.Entzug Briefkastenschlüssel
PostVerweigert Annahme Einschreiben an Familienmitglieder
AnredeSpricht Fremde mit "Du" an. Familienmitglieder werden gesiezt.
Konzentration und Denken
RätselKreuzworträtsel ohne erkennbare Logik.
RätselPuzzle ohne Strategie; bei formulierten Zwischenzielen ("Rand zuerst") keine Anwendung.
AutoverkehrSchrammt beim Einparken Seite des nächsten Autos auf.Entzug Führerschein und Autoschlüssel
Persönlichkeit
ZeitbezugVermengt Ereignisse und deren Zeitbezug. Verstorbene erscheinen noch lebendig.
Anpassung an ErwartungAntwortet so wie er glaubt, dass es erwartet wird.
EigenhygieneRasiert sich nicht mehr. Wenn doch, dann ohne Verständnis über Funktionen des Apparates.Helfen

Vergessen

Jeder von uns hat schon einmal etwas vergessen. Ja, mehr noch: Jeder hat schon einmal etwas Wichtiges vergessen. Und man kann es sogar noch weiter steigern: Jeder von uns hat schon einmal etwas für ihn Wichtiges vergessen.

Aber irgendwann häufen sich die Ereignisse. Namen geraten durcheinander. Mehrfach hintereinander wird immer die gleiche Frage gestellt – offenbar wird die Antwort nicht mehr verarbeitet.

Verwirrtheit, Desorientierung

Ganze Sachverhalte geraten durcheinander. Mit einer Münze wird versucht, die Haustür aufzuschließen. Bei der Kaffeemaschine wird das Kaffeepulver in den Behälter gegeben, in den eigentlich das Wasser gehört. Einkaufswaren werden nicht mehr richtig abgelegt.

Einschränkungen im Sprachvermögen

Die Verwendung von „Du“ und „Sie“ gerät durcheinander. Sachverhalte werden ohne Kontext dargestellt – aber entsprechende Nachfragen können nicht mehr beantwortet werden.

Nachlassende Konzentration und verschlechtertes Denkvermögen

Gesellschaftsspiele werden nicht mehr regelkonform durchgeführt. Bei „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ gibt es keinen erkennbaren Bezug mehr zwischen gewürfeltem Ergebnis und der Anzahl der weitergezogenen Felder.

Psychische Veränderungen

Demente Patienten fühlen sich zum Teil bevormundet. Das ist einerseits kein Wunder, da sie diversen „Schutzmaßnahmen“ ausgesetzt sind: Etwa werden ihnen Schlüssel abgenommen, das Autofahren untersagt, die Bedienung des Küchenherdes verboten und ähnliches mehr.

Andererseits fehlt ihnen die Einsicht, dass sie krank sind. Das Ausmaß ihrer Fehlleistungen können sie in der Regel nicht einschätzen.

Bedürfnisse

Alle Menschen haben Bedürfnisse. Das beginnt beim Hunger und geht bis hin zu romantischem Liebesleben sowie dem Streben nach Anerkennung bei der Arbeit.

Vielleicht haben Sie schon einmal etwas von der Pyramide von Maslow gehört? Sie versucht, eine gewisse Ordnung und Systematik innerhalb der menschlichen Bedürfnisse zu geben. Verlinkungen zu ausführlichen Beschreibungen finden Sie unten in diesem Beitrag.

Eine Pyramide ist es deshalb, weil jede Stufe auf der unmittelbar darunterliegenden basiert. Sind die wichtigsten Bedürfnisse einer bestimmten Stufe einigermaßen gleichmäßig erfüllt, kommt die Befriedigung der nächsten Schicht in Betracht.

Dies sind die Ebenen der Pyramide sowie Beispielinhalte:

 BedürfnisseBeispiele
5SelbstverwirklichungEntfaltung Talente, Kreativität; Weiterentwicklung der eigenen Person und vorhandener Fähigkeiten; Sinn des Lebens
4IndividualbedürfnisseVertrauen, Wertschätzung, Selbstbestätigung, Erfolg, Freiheit und Unabhängigkeit
3Soziale BedürfnisseDrang zu sozialen Beziehungen: Familie, Freundschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Zugehörigkeitsgefühl, Kommunikation, sozialer Austausch, Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung, Beziehung, Zuneigung, Liebe und sexuelle Intimität
2SicherheitsbedürfnisseArbeit, Wohnung, Familie, Gesundheit.
1Physiologische BedürfnisseAtmung, Wasser, Nahrung, Fortpflanzung, Schlaf, Fortpflanzung

Diese Darstellung zeigt auch sehr gut, dass die Stufen nicht frei von Überlappungen sind. Und selbstverständlich müssen die Bedürfnisse der unteren Stufen nicht zwingend voll erfüllt sein, bevor man die nächste Ebene „erklimmt“.

Das Modell sagt nun (als Beispiel), dass Hunger und Durst im Großen und Ganzen gestillt sein sollten, bevor man sich der Erfüllung der nächsten Stufe zuwendet.

Nun, das alles mag gut und schön sein. Aber was hat das mit Demenz zu tun? Manchmal können Demente ihre Bedürfnisse gar nicht richtig artikulieren (weil sie sie vergessen haben, sie selbst gar nicht wahrnehmen oder weil ihnen die Worte fehlen, sie richtig zu artikulieren).

So kann es sein, dass ein Patient streitsüchtig wegen des gewählten Fernsehprogramms ist – weil er Hunger hat. Der Betreuer arbeitet sich an der Wahl des Films ab – aber das Problem wäre ganz schnell zu beheben, wenn man einen Teller Nudeln servieren würde.

Die Maslow-Pyramide lehrt uns also, die Ursachenforschung an der untersten Stufe zu beginnen.

Darüber hinaus scheint das erforderliche Wissen zur Befriedigung eines Bedürfnisses umso besser vorhanden zu sein, je weiter unten das Bedürfnis liegt. An welchen Stellen Getränke bzw. Speisen aufbewahrt werden kann sich manch ein Dementer offenbar besser merken als den Namen des Partners. Allerdings könnte das noch andere Ursachen haben wie zum Beispiel die Zugänglichkeit.

Und ein weiterer Punkt ist: Ein hungriger oder durstiger Dementer wird die Frage, ob er Hunger oder Durst habe, manchmal zu Unrecht verneinen. Dies macht er aber nicht, um Sie zu täuschen oder aus falscher Rücksichtnahme.

Nein, es kann sein, dass er gar nicht weiss, was die Wörter „Hunger“ und „Durst“ bedeuten. Oder was Hunger bzw. Durst ist. Oder aber, er hat vergessen, dass er hungrig oder durstig ist. (Bitte beachten Sie, dass das nicht identisch ist: Im ersten Fall geht es um die Kenntnis von Wörtern, im zweiten um die Bedeutung von Begrifflichkeiten und im Dritten um das Bewusstsein seines Zustandes.)

Im Zweifel kann es gut sein, einfach etwas zu trinken zu geben bzw. einen Teller mit Essen bereitzustellen.

Ein weiterer Aspekt ist der Wunsch des Dementen, helfen zu wollen (Ebene 3 im Artikel). Das geht am besten, wenn Sie Ihn im Blick haben, wenn erforderlich – oder aber (direkter) ihn anleiten, was er tun soll.

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