Von guten und schlechten Vorhaben

Manchmal will ein Dementer etwas tun, was „falsch“ ist. Das sind Vorhaben, die zu unerwünschten Ergebnissen führen. Zum Beispiel der Versuch, rote Johannisbeeren im Topf zu erhitzen.

Wir wissen.: Dabei kommt kein gutes Ergebnis heraus. Es ist nun einmal so, dass Johannisbeeren schlecht dafür geeignet sind, gekocht zu werden.

Ähnlich ist das Vorhaben einzustufen, ein Brot mit Kaffee zu bestreichen.. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Kaffee als Bohne, gemahlenes Pulver oder als Flüssigkeit vorliegt. Es erscheint irgendwie unpassend.

Das Unterfangen, Obst zum Kochen zu bringen, ist übrigens auch nicht ganz ungefährlich, da der Topf überhitzen könnte und dann zum Beispiel bei plötzlicher Zufuhr kalten Wassers auch noch in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Oder aber, es ist schwierig, am Ende die schwarzen Essensreste aus dem Topf zu kratzen. Außerdem bekommt es dem Topf nicht, wenn eine Gabel zu seiner „Reinigung“ verwendet wird.

Nun, bei solchen Aktivitäten ist klar, dass der Betreuende oder Pflegende „einschreiten“ muss. Er sollte dem Dementen vorsichtig erklären, dass Johannisbeeren mit Vanilleeis viel besser schmecken als wenn sie geröstet werden. Oder dass Kaffee als Begleitgetränk zum Brot besser geeignet ist als auf dem Brot. Und so bleibt auch die Möglichkeit, das Brot zusätzlich mit Marmelade anzureichern.

Und in vielen Fällen werden solche Erklärungen genügen, um das falsche Unterfangen zu unterlassen.

Aber nicht immer sind alle so einsichtsfähig. Dann müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden, zum Beispiel sollte der Herd abgestellt oder das Streichmesser für das Brot entfernt werden.

Nun ist es eine Sache, Taten zu unterbinden. Aber noch schwieriger kann es werden, bestimmte Handlungen von einem dementen Menschen einzufordern, zum Beispiel morgendliches Waschen, Duschen, Rasieren oder Zähneputzen.

Bei solchen Pflichten muss der Demente selbst aktiv etwas tun. Natürlich kann dies durch den Helfer unterstützt werden. Aber trotzdem ist ein „Mitspiel“ der dementen Person zu einem gewissen Grad unerlässlich.

Und dies setzt voraus, dass die Notwendigkeit der Tat auch anerkannt wird. Wenn solche Einsicht aber nicht mehr gegeben ist, kann es schwierig werden, den Patienten dazu zu bewegen, auch nur mitzuwirken.

Was hilft? Nicht immer, aber oft kommt die „Uneinsichtigkeit“ daher, dass die erforderlichen Schritte zur Umsetzung nicht klar sind. Was für uns „eigentlich“ einfache Tätigkeiten sind, sind in der Praxis zum Teil komplexe Vorgänge. Wenn man diese schrittweise angeht, ist es dann möglich, die gewünschten Handlungen doch auch zu bekommen. Und das kann zum Teil in kleinsten Schritten erfolgen: Der erste ist zum Beispiel der Gang ins Bad.

Und noch abschließend ein Wort zur Schwierigkeit oder Einfachheit der hier beschriebenen Dinge: Nicht immer ist die Verhinderung eines Tuns einfacher als die Aktivierung einer Handlung. Einfaches Beispiel: Wer mag schon gesagt bekommen, er möge nicht mehr Auto fahren?

Haustiere als Begleiter dementer Menschen

Sind Sie ein Hunde- oder ein Katzenliebhaber? In welche „Schublade“ darf ich Sie stecken?

Ja, es sind Klischees. Aber oft lieben wir Menschen Charaktere, die dem unseren ähneln.

Hunde sind in der Regel auf einen oder mehrere Menschen „fixiert“ – ganz im positiven Sinne: Sie sind anhänglich und treu. Sie geben dem Menschen Nähe, und sie suchen sie auch. Ein Mensch muss mit einem Hund „Gassi“ gehen. Oder haben Sie schon einmal einen Hund gesehen, der das alleine gemacht hat? Wenn ja, dann war es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein wild lebendes Tier.

Auch eine Katze strebt nach Nähe zum Menschen – wenn keine andere Katze als Spielgefährte da ist. Sie werden kaum einmal die Situation erleben, dass eine Katze einen Spaziergang in Begleitung eines Menschen macht. Katzen legen mehr Wert auf Autonomie und Unabhängigkeit – auch das von der guten Seite gesehen.

Aber beide sind dem Menschen verbunden. Sie können die Liebe, die sie bekommen haben, dem Menschen gerade wieder „zurückzahlen“. Ganz deutlich wird dies beim Bedürfnis der Tiere, sich in der Nähe des Menschen aufzuhalten und sogar weitergehend mit ihm zu „kuscheln“. Das machen übrigens sogar die manchmal so stolzen Katzen.

Letztlich ist es ähnlich wie beim Menschen selbst – Streicheleinheiten erhöhen die Anziehungskraft und wirken sich positiv auf beide aus. Deshalb können Hunde und Katzen – vielleicht sogar besser als jeder Mensch – gute Freunde auch dementer Patienten sein und positiv auf diesen wirken.

In jedem Fall gibt es obendrein noch weitere gute Seiteneffekte:

  • Wenigstens teilweise erzwingen sie eine bestimmte Tagesstruktur. Hunde müssen Auslauf haben, Katzen können sehr hartnäckig sein beim Wecken von Menschen, sofern sie großen Hunger haben.
  • Sie geben dem Menschen eine Aufgabe und damit das Bewusstsein, auch noch gebraucht zu werden.
  • Sie widersprechen nicht. Gerade demente Menschen erleben meist einen gewissen Rückzug anderer Personen (Verwandte, Freunde, Bekannte) bei der Kommunikation. Je mehr das Umfeld spürt, dass die Verarbeitung von Daten und Informationen nicht mehr richtig funktioniert, desto mehr zieht es sich zurück. Das ist sehr traurig, aber verständlich. So kann ein Dementer immer häufiger die Wand ansprechen – oder aber eben genau die Haustiere.
  • Sie sorgen für Beschäftigung.
  • Sie fördern das Verantwortungsbewusstsein.

Aber natürlich ist es auch wichtig, auf Grenzen zu achten. Nicht in allen Fällen ist es sinnvoll, Hunde und Katzen (oder andere Haustiere) mit Dementen zusammen zu bringen:

  • Der Patient muss noch in der Lage sein, Hungerzustände beim Haustier zu erkennen und die Fütterung zu übernehmen.
  • Besonders bei Hunden muss der Patient noch in der Lage sein, diese zu kontrollieren und ihr Verhalten zu lenken. Davonlaufende Hunde, die nicht mehr beherrschbar sind, stellen einen Patienten manchmal vor sehr große Herausforderungen.
  • Der Patient muss noch orientiert sein.

Wenn diese Rahmenbedingungen erfüllt sind, dann kann die Haltung von Hund oder Katze sehr hilfreich und förderlich sein.

Weiterführende Weblinks

Positives und motivierendes

Schnell werden unsere Blicke getrübt. Eine Schauergeschichte reiht sich an die nächste, wenn wir unseren Bekannten erzählen, wie hart es sein kann, sich um einen Dementen zu kümmern.. Und wenn der von uns Betreute von einem erzielten Erfolg berichtet, schrillen bei uns erst einmal die Alarmglocken. Denn wir ahnen schon: Irgendetwas muss schiefgelaufen sein.

Aber wir sollten uns klarmachen: Das sind Vorurteile. Denn natürlich geht – vor allem anfänglich – noch recht viel. Und das ist gut so: Wir sollten das funktionierende ausbauen und fördern. Damit möchte ich in keinster Weise die Betreuungs- oder Pflegeleistung kleinreden. Ganz im Gegenteil: diese ist oft so hart, dass Techniken wie gleich beschrieben erforderlich sind, um überhaupt den Kopf erhoben halten zu können.

Mein Lieblingsbeispiel ist die vorhandene Hilfsbereitschaft in Kombination mit einer Kochanleitung. Früher habe ich gekocht – was und vor allem wie ich wollte – und der Betreute durfte eine Portion haben. Während des Kochens schob er bereits Kohldampf und kam deshalb in die Küche. Dort sah er dann, wie ich kochte – und kommentierte dies – nicht immer zustimmend. Wir kamen dann in Diskussionen, die zum Teil recht nervtötend waren.

Heute läuft das ganz anders ab: Wenn es losgeht besprechen wir, was es geben soll. Dann leite ich ihn ein wenig an und beobachte und kontrolliere sein Tun. Er hat nichts mehr zu „meckern“, fühlt sich glücklich, weil er sinnvolles tut. Ich kann mich gut entspannen, gebe gelegentlich meinen Senf dazu. Und es gibt kaum noch die leidigen Diskussionen um Kleinigkeiten des Vorgehens. So ist es besser für alle Beteiligten.

Natürlich ist das idealtypisch. So schön wird es nicht oft sein. Aber der entscheidende Punkt ist: Wir dürfen nicht verlernen und nicht aufgeben, nach positiven Hinweisen auf Dinge zu suchen, die noch gut laufen. So lassen sich viele Tagesaufgaben doch ein wenig angenehmer gestalten.

Und wir zwingen uns selbst, nicht nur schwarz zu sehen.

Die nachfolgende Tabelle enthält einige Beispiele für Hinweise auf Positives.

Beispiele für Positivleistung

KategorieBereichPositivleistung
Gedächtnis
GesprächErinnert sich an Begegnungen oder andere Ereignisse, wenn auch mit falscher Einschätzung des Zeitpunktes.
KochenErinnert sich an Rezepte oder an Zubereitung von Speisen.
Orientierung
WohnungFindet ohne Probleme den Weg zurück.
WohnungVerwendet im Regelfall den korrekten Schlüssel.
WohnungKennt die Nachbarn.
EinkaufKann Einkaufslisten einsetzen.
Küche Setzt Gerätschaften korrekt und sinnvoll ein.
Sprache
SprachverständnisGrammatik stimmt.
Benennung von GegenständenBenennt Gegenstände korrekt.
PostVerarbeitet Briefe korrekt.
AnredeSetzt Anreden "Sie" und "Du" korrekt ein.
Konzentration und Denken
RätselKreuzworträtsel ohne Probleme.
GesellschaftsspieleLernt auch neue Regeln unproblematisch.
ZählenKann Gegenstände gruppieren und zählen. Zieht aus Zahleninformationen die richtigen Schlüsse (z.B. "Wir sind doch insgesamt 10, 2 fehlen noch.").
Persönlichkeit
ZeitbezugKann wichtige Daten korrekt angeben. Beispiele: Eigener Geburtstag, heute, übermorgen, gestern, vor einer Woche, vor einem Monat.
VerwandtschaftKann Verhältnis zu Familienmitgliedern korrekt widergeben.

Ob das immer ausreicht, um darauf aufbauend so schöne Anwendungen (wie eben beschrieben) zu formen, muss der Zeitablauf zeigen. Aber die Grundlage sollte es sein.

Übrigens: Eine weitere Technik, um mit teilweise wirren Erzählungen umzugehen, ist etwas, das ich „Weglachen“ nenne. Statt griesgrämig oder augenverdrehend zu überlegen, was eine Erzählung bedeuten könnte, habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, einfach zu lachen. Probieren Sie es aus! Es macht glücklicher: Beide! (Auch hier gilt: Es geht gerade nicht darum, den Urheber der verworrenen Botschaft auszulachen oder zu beleidigen. )